SC005: Warum Grammatik überbewertet wird und eigentlich DU die Regeln machst

Nein, ich möchte keine Panik verbreiten, ja, auch wenn es heute um Grammatik geht. ^.~ Tatsächlich möchte ich dir in dieser 5. Episode von Schreib Chaos! zeigen, dass Rechtschreibung und Grammatik gar nicht so furchteinflößend sind, wie du es vielleicht aus dem Deutschunterricht in Erinnerung hast. ^^

Denn selbst so etwas wie unser wundersames Regelwerk der deutschen Sprache bietet so einige Überraschungen und jawohl, natürlich gibt es am Ende dieser Podcast Folge wieder eine Schreibübung, mit der du dich auf vielleicht bisher unbekanntes Terrain begeben kannst. ^_^

Schreib Chaos! – Shownotes Episode 5:

Jawohl! Heute wird es ernst, denn es geht dieser einen Urangst an den Kragen, der wir einst im Deutschunterricht bestimmt mal alle voller Schrecken und Entsetzen ins Augegeblickt haben, wenn man unversehens dazu genötig wurde, in einem Satz das Subjekt, das Prädikat oder Schlimmeres zu ermilteln! o.O

Mitten ins Schreib Chaos! Hol dir den Newsletter!Schon gut, jetzt einmal Spaß beiseite. ^.~ Einer Angst begegnet man am besten, in dem man ihrer Ursache auf den Grund geht. Wir stehen jetzt also vor der für diesen Beitrag zentralen Frage:

Was ist das eigentlich, diese Grammatik und so weiter?

Nicht abzustreiten ist:

Wir beherrschen die Grammatik unserer Muttersprache ohne ihre Regeln per Definition zu kennen.

Mit anderen Worten: Wenn wir sprechen lernen, lernen wir automatisch die Regeln, nach denen wir diese Sprache zu verwenden haben. (Wäre das nicht der Fall, könnten wir uns unter einander nämlich im Guten gar nicht verständlich machen. ^^‘)

Daraus folgt:

Die Grammatik ist das Regelwerk für unseren Sprachgebrauch.

Sie ist daher nicht’s vor dem man sich Grundsätzlich fürchten müsste. Diese Furcht liegt viel eher darin begründet, dass wir Angst haben, etwas falsch zu machen, sprich: Die sorgsam aufgestellten und ausformulierten Regeln der Grammatik versehentlich oder durch vermeintliche Unwissenheit zu brechen. Es ist also weniger die Grammatik an sich, sondern vielmehr dieses komplexe Theoriegebäude um sie herum, das und so sehr in Atem – und dich vielleicht auch vom Schreiben abhält.

Weißt du was? Das erste bedeutende schriftliche Literaturerzeugnis, das so ein bisschen einen Anhaltspunkt auf „Gute Deutsche Sprache“ gab, war der Sachsenspiegel, das älteste Rechtsbuch des deutschen Mittelalters, am Anfang des 13. Jahrhunderts. Damals war das nur noch nicht wirklich das Hochdeutsch, wie wir es heute kennen, aber man orientierte sich damals an dem reinsten Deutsch (Mittelniederdeusch) jener Zeit, das wohl in dem damaligen Sachsen zu finden war. ^^Du brauchst Hilfe beim Schreiben oder für dein Buchkonzept? Dann reserviers dir ein kostenfreies Schreib-Kurs-Gespräch bei mir! ^^

Was sagt das nun wieder über unser Verständnis von Grammatik aus?

Ist es nicht offensichtlich. Obwohl es, wenn wir die Rechtscheibregeln in der Schule lernen, nicht so vor kommt gilt:

Unsere Sprache befindet sich in einem stetigen Wandel.

Schön, hier ein paar Beispiele:

  • Immer wieder wird der Verlust der deutschen Sprache beklagt, da sie ja mit „nicht-deutschen“ Vokabeln zersetzt werde. Damit sind wahrscheinlich beliebte Wörter wie „Handy“, „Hobby“ oder andere Begriffe aus den englischen Sprachraum gemeint, die wir mit Freude adaptieren. Dabei ist der Einflus anderer Sprachen auf die Deutsche Sprache gar nicht neu. Goßen Einfluss übte zum Beispiel „Latein“ aus, das mit den Römern und deren Lebenswandel Einzug in die germanische Lebensweise hielt. Später im Barock sprach alles, was an den diversen Fürstenhöfen etwas auf sich hielt mit Vorliebe Französich. Das war eben die Sprache zur internationalen Völkerverständigung.
  • Jugendsprache ist auch etwas sehr Spannendes. Denn diese Phase, in der die Eltern ihre Kinder plötzlich nicht mehr verstehen können, scheint sich auch schon durch diverse Generationen zu ziehen.
  • Je nach (politischer) Gesinnung kann sich die Sprache oder bestimmte Formulierungen ebenfalls unterscheiden. Zum Beispiel gab es in der ehemaligen DDR ja die sogenannten „Polikliniken“. Heute nennt man so etwas „Ärztehäuser“. Beides ist im Prinzip nichts anderes als ein großes Gebäude, in dem mehrere Arztpraxen und meist noch eine Apotheke und ein Reformhaus eingemietet sind. (Oder um es noch „mode-deutscher“ zu sagen: Das ist eine Art medizinisches „Kompetenzzentrum“. XD)

Das sich Sprache verändert ist übrigens nicht nur ein Phänomen, dass ich lediglich auf einzelne Vokabeln bezieht. Sprache kann sich auch in ihrer Stuktur verändern:

  • Ich habe im Studium mal ein paar Reden vom Anfang des 20. Jahrhunderts verarbeiten dürfen. Da setzte man, wo heute ein Punkt hingehört mit großer Vorliebe das Semikolon und bekam dadurch sehhhhhr lange Satzgebilde, die ihr Ende erst am Ende des jeweiligen Absatzes fanden.^^‘ Mir würde spontan nicht wirklich eine Möglichkeit einfallen, wo und in welchem Fall ich ein Semikolon verwenden sollte. Aber es wurde in der Schule auch nicht so wirklich als das „Must have!“ der deutschen Spache verwendet – im Gegensatz zu Punkt, Komma, Fragezeichen usw.
  • Hin und wieder kommen mir auch solche Formulierungen unter wie:
    Ich gehe heute schwimmen, weil es ist heiß.
    Richtig wäre: „Ich gehe heute schwimmen, weil es heiß ist.“ (Im Nebensatz steht die gebeugte Verbform „ist“ nämlich am Ende. Aber nur so viel am Rande und nicht weiter verwirren lass. ^^‘) Ich habe ja die leise Vermutung, dass das auch durch das einfließen englischer Sprachgewohnheiten kommt. Da hieße da nämlich: „I go swimming, because it is hot.“ Doch das ist wie gesagt, nur eine Vermutung. Wenn du den Ursprung dieser „weil“-Konstruktionen kennst, schreibe mir das gerne unten in die Kommentare. (Das würde mich nämlich mal wirklich interessieren. ^^)
  • Und dann wäre da noch ein sehr beliebtes Sorgenkind. Denn nicht selten wird das dohende Aussterben des 2. Falls (des Genitivs) zum Gespräch gemacht. Ich persönlich mach diesen Fall (der im übrigen mit dem Wort „Wessen?“ erfragt wird), und verwende ihr, wo ich es für angebracht halte. Das hält uns beim sprechen der Sprache aber selten davon ab aus „das Schaf des Bauern“ dann doch „das Schaf vom Bauern“ zu machen. Mit anderen Worten, hier wird gerne der 3. Fall (der Dativ) verwendet, der mit diesem Erscheinen allerdings seine Zuständigkeitsbereiche überschreitet. Mal sehen, wie unsere Sprachentwicklung hier vonstatten gehen wird. Und ob diese Vermutung der bekannten Buchtitels zutifft: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“…

Mitten ins Schreib Chaos! Hol dir den Newsletter!Das Fazit: Grammatik und auch Rechtschreibung sind nichts für die Ewigkeit

Denn so viel steht fest:

Sprache und damit deren Regeln verändern sich, weil die Menschen ihren Umgang mit der Sprache verändern.

Ein reales Ergebnis daraus ist zum Beispiel die große Rechtschreibreform aus den 1990er Jahren, als plötzlich das Doppel-S das Eszett („ß“) vielerorts ersetzte, aber doch nicht überall, und noch ganz andere Debatte ausgelöst wurden. Inzwischen ist das Eszett (seit 2017) auch als Großbuchstabe im deutschen Alphabet und in den geltenden Rechtschreibregeln zu finden. Sogar erste Computertastaturen sollen schon gesichtet worden sein, die diesen Buchstaben in Groß und Klein auf sich vereinten. Ja, wer hätte das gedacht. ^.~

Was bedeutet das nun alles für dich und dein Schreiben?

Auch wenn es uns in der Schule anders beigebracht wurde, sind die Regeln der deutschen Sprache weit flexibler als man denkt. Ich selbst tediere zum Beispiel gern zu Wortneuschöpfungen – meist weil sie in dem Moment passender klingen. Doch die Phantastik bietet da zum Glück einen sehr weiträumigen Spielraum. Außerdem ist da ja immer noch diese Sache mit der künstlerischen Freiheit. ^_^

Wichtig ist für dich:

Solange du nur für dich schreibst und Spaß daran entwickelst, ist die Frage zur Grammatik hinfällig.

Na ja, und wenn du schlussendlich doch einmal beschließt mit deinen Sachen an die Öffentlichkeit zu gehen, findest du dort früher oder später bestimmt jemanden, der dir bei den Korrekturen und so weiter helfen kann. ^^

Du brauchst Hilfe beim Schreiben oder für dein Buchkonzept? Dann reserviers dir ein kostenfreies Schreib-Kurs-Gespräch bei mir! ^^Andererseits weiß man manchmal ja auch nie so genau, welche Schreibweise und welche Regel gerade jetzt in diesem Augenblick so ihre Geltung haben. Das Regelwerk, das wir zum ordnen unserer offiziellen Schreibsprache nutzen ist an und für sich nicht viel mehr als eine Bestandsaufnahme des geltenden Zustands. Denn es gibt genug Menschen die regelmäßig (z.B. für den Duden) überprüfen, welche Wörter und Wendungen so verwenden werden und welche nicht mehr, und welche darauf basierend zu diesem Regelwerk hinzugefügt und welch daraus entfernt werden. Oder verwendest du noch das Wort „Steckenpferd“? (Heute sagen wir synonym viel lieber „Hobby“. ^.~)

Genug der Theorie, es wird Zeit für die Praxis! ^o^

Ich möchte, dass du dich mal als Yoda aus probierst, bzw. (falls dir Star Wars nicht ganz so geläufig ist) ich möchte, dass du in anderer Satzbausweise dich versuchst! XD Oder gönne dir mal etwas mehr Freiheit als sonst und versuche mal Regeln, die dir schon immer auf den Keks gegangen sind, nicht zu beachten oder bewusst zu missachten. ^_^ Genau, lass doch einfach mal alle Satzzeichen weg. Schreib alles groß oder alles klein oder, oder, oder.

Mach es dir zur heutigen Aufgabe, die Regeln, die du so beim Schreiben kennst, zu brechen und genieße diese Freiheit!

Du wirst sehen, wenn du dich erst einmal an ein bisschen anarchie gewöhnt hast, kann das richtig Spaß machen. ^_^

Mitten ins Schreib Chaos! Hol dir den Newsletter!Ach ja, und wenn du möchtest, schreibe mir gerne in die Kommentare, wie diese Übung so für dich gelaufen ist. Oder schreibe mit eine Mail an post@plattilorenz.de oder unter den entprechenden Beitrag bei Instagram. ^^

Wie, du harderst immer noch mit dieser Gammatik-Frage oder dich beschäftigen ganz andere Themen rund ums schreiben?

Dann reserviere dir gern ein kostenfreies Kurs-Gespräch mit mir. Hier schauen wir dann einfach mal via Video-Chat, wie ich dir in deiner konkreten Situation rund ums Schreiben helfen und dir vielleicht sogar eine kleine Abkürzung zeigen kann. ^.~

Termin für Schreib Chaos! Kurs-Gespräch mit Platti Lorenz

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